Bewegung bei der koronaren Herzkrankheit

 

Ein gesunder Lebensstil mit viel Bewegung und Sport ist besonders für die Herz-Kreislauf-Gesundheit von enormer Bedeutung. Denn Bewegungsmangel, Stress und Übergewicht zählen zu den typischen Risikofaktoren für die koronare Herzkrankheit (KHK). Diesen Risikofaktoren kann mit viel Bewegung und Sport begegnet werden. Doch auch bei bereits bestehender Erkrankung scheint sich Sport auszuzahlen. Mit Sport wird nämlich nicht nur das Immunsystem gestärkt und das Krebsrisiko gesenkt, sondern auch Stress abgebaut und das Herz-Kreislauf-System gestärkt. Zugleich werden viele Risikofaktoren für dramatische Folgeereignisse wie z. B. Herzinfarkt reduziert. So zeigte eine aktuelle Studie beispielsweise, dass KHK-Patienten ein geringeres Sterberisiko hatten, wenn sie körperlich aktiver waren (Studie von Stewart und Kollegen, 2017).

 

Wie oft und wie intensiv sollte trainiert werden?

In der Nationalen Versorgungsleitlinie „Chronische KHK“ wird darauf hingewiesen, dass sich sowohl moderate (wie z. B. Spazierengehen) als auch intensive körperliche Aktivität positiv auf das Herz-Kreislauf-System auswirken. Es liegen laut der Leitlinien jedoch nicht genügend aussagekräftige Studienergebnisse vor, als dass genaue Angaben zu der optimalen Sportart, der Dauer, der Intensität und der Häufigkeit des Trainings gemacht werden könnten. Dennoch wird in der genannten Leitlinie ein Anhaltspunkt genannt – und zwar: 3- bis 7-mal die Woche jeweils 15 bis 60 Minuten Ausdauertraining bei 40 bis 60 % der maximalen Leistungsfähigkeit. Die Häufigkeit, Dauer und Intensität sollten an die individuellen Belastungsgrenzen bzw. die individuelle Leistungsfähigkeit angepasst werden.

 

Welche Sportarten sind geeignet?

Generell sollte Sport Spaß machen. Denn nur so ist es leicht, diesen in den Alltag zu integrieren und regelmäßig und dauerhaft zu betreiben. Bei der Wahl der Sportart sollte somit sowohl die individuelle Fitness als auch die persönlichen Vorlieben berücksichtigt werden. Wie bereits erwähnt wird ein regelmäßiges Ausdauertraining empfohlen. In der Patientenleitlinie „Chronische Koronare Herzkrankheit: KHK“ werden Sportarten vorgeschlagen, die gerade für Patienten mit KHK geeignet zu sein scheinen. Diese Sportarten sind Nordic Walking, Joggen, Schwimmen, Radfahren, Tanzen und Gymnastik. Auch Yoga könnte hilfreich sein, da diese Sportart gut dabei helfen kann, Stress zu bewältigen.

 

Mehr Bewegung in den Alltag bringen

Neben den Trainingseinheiten ist es sinnvoll, generell mehr Bewegung in den Alltag zu bringen. Dies kann erreicht werden, indem das Auto öfter mal stehen gelassen wird, die Treppe statt dem Fahrstuhl genommen wird, eine Haltestelle früher ausgestiegen wird und kleinere Spaziergänge zum Beispiel nach dem Essen oder vor dem Schlafengehen eingeschoben werden. Um einen Überblick darüber zu bekommen, wie viel man sich im Alltag tatsächlich bewegt und ob das ausreichend ist, könnte ein Schrittzähler hilfreich sein. Dieser kann gleichzeitig dazu motivieren, sich mehr zu bewegen.

 

Unterstützung durch Herzgruppen

Herzgruppen können Patienten mit KHK dabei unterstützen, den Lebensstil so zu ändern, dass Risikofaktoren minimiert werden. Regelmäßiger Sport, welcher auf die Bedürfnisse der Betroffenen abgestimmt ist, ist ein zentraler Bestandteil dieser Herzgruppen, von denen es in Deutschland etwa 6000 gibt (hier eine Übersicht und nähere Informationen). Der qualifizierte Herzgruppenleiter schult und motiviert die Teilnehmer zudem, einen gesunden Lebensstill zu pflegen. Die Teilnahme an einer solchen ambulanten Herzgruppe wird KHK-Patienten empfohlen, muss jedoch ärztlich verordnet und von dem zuständigen Kostenträger genehmigt werden. Die Empfehlung, sich einer solchen Gruppen anzuschließen, gilt besonders für Patienten, die eine unmittelbar lebensbedrohliche Phase der KHK (akutes Koronarsyndrom) oder einen Herzinfarkt erlitten haben oder eine Bypass-Operation hinter sich haben.

 

Bewegung und Sport nehmen bei der Behandlung der koronaren Herzkrankheit einen sehr großen Stellenwert ein. Hierbei ist es wichtig zu wissen, dass es nicht gleich Hochleistungssport sein muss, sondern bereits zügiges Spazierengehen, Walking oder Laufen eine gesundheitsfördernde Wirkung haben, die nicht unterschätzt werden sollte. Mit regelmäßigem Sport kann nicht nur der Krankheitsverlauf verbessert werden, er bietet auch die Möglichkeit, soziale Kontakte aufzubauen oder zu stärken, wenn man sich beispielsweise einer Herzgruppe anschließt. Generell gilt, dass die Intensität des Trainings an die persönliche Fitness angepasst werden sollte und dass es wichtig ist, auf seinen Körper zu hören und ihm Ruhepausen zu gönnen, wenn er nach diesen verlangt.

 

Zusammengefasst

  • Regelmäßige Bewegung kann den Krankheitsverlauf von Patienten mit der koronaren Herzkrankheit verbessern
  • Die Intensität des Sports sollte an die persönliche Leistungsfähigkeit angepasst werden
  • Regelmäßiges Ausdauertraining wie z. B. Nordic Walking, Joggen, Schwimmen oder Radfahren scheinen sich besonders zu eignen
  • Sogenannte Herzgruppen können unter anderem bei der Umsetzung der sportlichen Ziele helfen